Von WattRun · 12. Mai 2026

Powerprofile verstehen — Was deine 1s, 5s, 1min, 5min und 20min-Werte wirklich sagen

Wer einen Powermeter benutzt, hat in seiner Trainings-Software eine Funktion namens Powerprofile oder Mean Maximal Power (MMP). Diese Kurve zeigt die maximale Wattleistung, die du über verschiedene Zeitdauern bisher produziert hast - vom 1-Sekunden-Sprint bis zum 5-Stunden-Ride. Diese scheinbar abstrakten Werte sind tatsächlich ein detaillierter Spiegel deiner physiologischen Fähigkeiten: Sie zeigen, wo deine Stärken liegen, wo deine Schwächen sind und welcher Athleten-Typ du bist.

Dieser Artikel führt durch die fünf wichtigsten Zeitfenster im Powerprofil und zeigt, wie du daraus konkrete Trainingsempfehlungen ableitest.

Was ist ein Powerprofil?

Ein Powerprofil ist eine Kurve maximaler Leistungen über verschiedene Zeitdauern. Es zeigt, wie viel Watt du bestenfalls über 1 Sekunde, 5 Sekunden, 30 Sekunden, 1 Minute, 5 Minuten, 20 Minuten und 60 Minuten halten konntest - basierend auf deinen Trainings- und Wettkampfdaten der letzten Wochen oder Monate.

Diese Kurve fällt mit zunehmender Dauer ab (logischerweise: du kannst nicht 1 Stunde so viel Watt halten wie 5 Sekunden). Die Form der Kurve verrät aber viel über deinen Athleten-Typ.

Die fünf entscheidenden Zeitfenster

1 Sekunde — Maximalkraft / Neuromuskuläre Power

Was misst dieser Wert?

Die rein neuromuskuläre Maximalleistung. Wie viel Watt kann dein Körper in einem einzigen Pedaltritt produzieren? Das hängt ab von:

Typische Werte:

NiveauWatt (Männer)Watt (Frauen)
Untrainiert600-900400-650
Hobbyfahrer900-1200600-850
Ambitioniert1200-1500800-1100
Sehr gut1500-18001100-1300
Elite1800-2200+1300-1500+

Wofür ist das relevant?

Für Sprints am Ende von Rennen, für Antritts-Power, für plötzliche Geschwindigkeitswechsel. Wer Crit-Rennen fährt oder im Massen-Sprint mitmischen will, braucht diesen Wert hoch.

Trainings-Strategien:

5 Sekunden — Sprint-Power

Was misst dieser Wert?

Die maximale Leistung über 5 Sekunden - die typische Sprint-Dauer im Massensprint. Hier mischen sich Neuromuskuläre Power und anaerobe Kapazität.

Typische Werte:

NiveauWatt (Männer)Watt (Frauen)
Untrainiert500-750350-550
Hobbyfahrer750-1000500-700
Ambitioniert1000-1300700-950
Sehr gut1300-1600950-1150
Elite1600-1900+1150-1350+

Wofür ist das relevant?

Für klassische Endspurts, Antritte über kurze Steigungen, Lückenfahren in Renn-Situationen.

Trainings-Strategien:

1 Minute — Anaerobe Kapazität

Was misst dieser Wert?

Die maximale Leistung über 60 Sekunden. Hier dominiert die anaerobe Glykolyse - Energiegewinnung ohne Sauerstoff über die Spaltung von Glykogen. Das Resultat: massive Laktatproduktion.

Typische Werte:

NiveauWatt (Männer)Watt (Frauen)
Untrainiert300-450200-320
Hobbyfahrer450-600320-450
Ambitioniert600-750450-580
Sehr gut750-900580-700
Elite900-1100+700-850+

Wofür ist das relevant?

Für kurze knackige Anstiege, Antritte in Rennen, Wechselsituationen. Wer in Crit-Rennen oder MTB-Wettkämpfen häufig hohe Antritte braucht, profitiert davon.

Trainings-Strategien:

5 Minuten — VO2max

Was misst dieser Wert?

Die maximale aerobe Leistung über 5 Minuten - genau die Belastung, bei der dein VO2max-Niveau ausschlaggebend ist. Es ist die Schnittstelle zwischen anaerob und aerob: Über 5 Minuten kannst du dich nicht mehr nur auf anaerobe Reserven verlassen, du brauchst maximale Sauerstoffaufnahme.

Typische Werte:

NiveauWatt (Männer)Watt (Frauen)
Untrainiert200-300140-220
Hobbyfahrer300-380220-300
Ambitioniert380-460300-370
Sehr gut460-540370-430
Elite540-650+430-510+

Wofür ist das relevant?

Für mittellange Anstiege (3-7 Minuten), Trennversuche in Rennen, Lückenschließen auf Abfahrten. Bergspezialisten und Klassiker-Fahrer brauchen hohe 5-Minuten-Werte.

Trainings-Strategien:

20 Minuten — FTP

Was misst dieser Wert?

Die durchschnittliche Leistung über 20 Minuten. Multipliziert mit 0,95 ergibt sich die geschätzte FTP (siehe Artikel "FTP-Test 20 Minuten").

Typische Werte: Siehe Tabelle FTP-Werte nach Alter im entsprechenden Artikel.

Wofür ist das relevant?

Für lange aerobe Leistung: Marathonfahren, Pässe-Anstiege, Zeitfahren, Bergtouren. Die wichtigste einzelne Metrik für die meisten Hobbyfahrer-Disziplinen.

Trainings-Strategien:

Das Verhältnis zwischen Werten verrät Athleten-Typen

Aus dem Verhältnis der verschiedenen Powerprofil-Werte zueinander lässt sich der Athleten-Typ ableiten.

Faustregeln (für ambitionierte Hobbyfahrer)

Die folgenden Verhältnisse sind typisch:

Typ 1: Sprinter

Beispiel: Hobbyfahrer mit FTP 280 W:

Typ 2: All-Rounder

Beispiel: Hobbyfahrer mit FTP 280 W:

Typ 3: Bergspezialist / Marathonfahrer

Beispiel: Hobbyfahrer mit FTP 280 W:

Wie nutzt man das Powerprofil im Training?

1. Stärken identifizieren

Wo bist du überdurchschnittlich gut? Dort liegt dein Talent. Wer 5-Minuten-Power deutlich über dem Niveau seiner FTP hat, ist ein VO2max-Talent - das sollte er in Wettkämpfen ausspielen (z.B. Attacken an langen Hügeln).

2. Schwächen erkennen

Wo bist du unterdurchschnittlich? Das sind deine Trainingsschwerpunkte. Wer FTP-mäßig sehr stark ist, aber 1-Minuten-Power schwach hat, fehlt es an anaerober Kapazität - VO2max- und 30/30-Intervalle helfen.

3. Wettkampf-Profil matchen

Welcher Wettkampftyp passt zu deinem Profil?

4. Trainingsperiodisierung

Im Aufbauphase (Winter) auf Schwächen fokussieren, in Spezialphase auf Wettkampfprofil-Stärken.

Häufige Fragen

Wie lange werden die Werte gespeichert?

In den meisten Tools wird das Beste der letzten 30 Tage, letzten 90 Tage oder alle Daten angezeigt - meist konfigurierbar. Für aktuelle Form: 30-Tage-Fenster nutzen. Für Saisonbestleistung: 90-Tage. Für Lebensbestleistung: All-Time.

Sind All-Time-Werte zuverlässig?

Bei sehr kurzen Spikes (1-3 Sekunden) gibt es manchmal Datenausreißer durch Powermeter-Glitches. Wer einmal 2500 W gesehen hat, sollte prüfen, ob das wirklich war oder Mess-Artefakt.

Sollte ich auf alle Werte trainieren?

Nein. Wer alles gleichzeitig trainiert, wird in nichts richtig gut. Periodisiert: 4-6 Wochen Schwerpunkt auf einen Bereich, dann nächster. Im Wettkampfjahr 2-3 Schwerpunkte plus FTP-Erhaltung.

Wie schnell ändern sich die Werte?

Konkrete Trainings-Konsequenzen

Beispiel 1: Schwacher 1-Min-Wert

Du fährst Crit-Rennen, kommst aber bei jedem Antritt zurück. 1-Min-Power liegt nur bei 1,9 × FTP statt erwarteter 2,1+ × FTP.

Trainingsplan:

Beispiel 2: Schwacher 20-Min-FTP-Wert

Du fährst Marathons, brichst aber nach 1,5-2 Stunden ein. FTP-Wert relativ zur Spitzenleistung niedriger als erwartet.

Trainingsplan:

Beispiel 3: Schwache 5s-Sprint-Power

Du wirst im Sprint immer geschlagen. Sprint-Power bei 4,0 × FTP statt 4,5+.

Trainingsplan:

WattRun und Powerprofil-Analyse

WattRun führt für dich automatisch ein Powerprofil über alle deine Rides. Du siehst nicht nur die Werte, sondern auch deren Trend über Wochen und die Verhältnisse zueinander. Wo entwickeln sich deine Werte überdurchschnittlich? Wo stagnierst du? Der Coach leitet daraus Trainingsempfehlungen ab - zugeschnitten auf deinen Athleten-Typ und deine Saisonziele.

Statt nur auf eine einzelne FTP-Zahl zu schauen, bekommst du das ganze Bild deiner Leistungsfähigkeit.

Ein Powerprofil ist die ehrlichste Trainingsdiagnose, die es gibt. Lerne es zu lesen - und du weißt genau, woran du arbeiten musst.

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Häufige Fragen

Was ist der Mean Maximal Power (MMP)?
Die maximale Wattleistung über verschiedene Zeitdauern (1s, 5s, 30s, 1min, 5min, 20min, 60min). Aus den besten Werten der letzten 30-90 Tage erstellt deine Software das Powerprofil.
Welches Verhältnis 5s/FTP zeigt einen Sprinter?
Werte über 4,5 deuten auf Sprinter-Typ hin (Beispiel: 1300W Sprint bei 280W FTP = 4,64). All-Rounder liegen bei 3,5-4,5, Marathonfahrer unter 3,5.
Wie schnell ändern sich die Powerprofile-Werte?
1-5 Sekunden-Werte (Sprint) sprechen schnell an (2-4 Wochen). 1-Minuten-Werte 4-8 Wochen. 5-Minuten-Werte 6-12 Wochen. 20-Minuten-FTP 8-16 Wochen. Längere Werte über Monate.
Welcher Athletentyp bist du?
Sprinter: hohe 5s/1min-Werte, schwach in 5min/20min. Marathonfahrer: niedrige Sprint-Werte, hohe 20-Min-FTP, sehr gute 2h-Power. All-Rounder: ausgewogen über alle Zeitfenster.
Wie nutze ich das Powerprofil im Training?
Stärken identifizieren (was über Norm?) — dort dein Talent ausspielen. Schwächen erkennen (was unter Norm?) — dort gezielt Trainingsschwerpunkte setzen. Periodisierung in 4-6-Wochen-Blöcken.
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